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Nachstehend finden Sie unseren Bericht zum 7. bundesweiten Netzwerktreffen im November 2018.

Das Persönliche Budget (Definition)

Das Persönliche Budget ist eine Leistungsform im Sozialrecht, welches die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung stärkt. Leistungen zur Teilhabe, auf die ein Mensch wegen einer bestehenden oder drohenden Behinderung einen Anspruch hat, können – alternativ zur Sach- oder Dienstleistung – als Geldleistung erbracht werden (manchmal auch als Gutschein).

Mit dem Geld, das die Kostenträger zur Verfügung stellen, können Menschen mit Behinderung selbstbestimmt die notwendige Unterstützung „einkaufen“, die zur Deckung des persönlichen Hilfebedarfes notwendig ist.

Wer wir sind

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget e. V. fördert die Umsetzung des Persönlichen Budgets im Sinne der Menschen mit Behinderungen.

Ziel ist es, das Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe sowie die Ausübung des Wunsch- und Wahlrechts zu stärken, indem das Persönliche Budget als Leistungsform gleichberechtigt neben dem Sachleistungsprinzip Anwendung findet.

Bericht des 7. bundesweiten Netzwerktreffens der Beratenden zum Persönlichen Budget

Vom 15. – 16.11.2018 fand in Berlin, Nachbarschaftshaus Urbanstraße 2, das 7. bundesweite Netzwerktreffen der Beratenden zum Persönlichen Budget statt. Organisiert vom Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget (BAG PB) und in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget Berlin-Brandenburg fanden sich fast 200 Interessierte zusammen, um sich zum Persönlichen Budget zu informieren und über die neusten Entwicklungen auszutauschen. Moderiert wurden die zwei Tage von Constantin Grosch, der u. a. als Inklusionsaktivist die Teilhabe und Inklusion verwirklichen möchte.

Nachdem die Teilnehmenden vom Vorsitzenden der BAG PB, Marcus Lippe, begrüßt wurden, folgte ein Vortrag von Dr. Sandro Blanke, Leiter des Referats „Allgemeines und trägerübergreifendes Recht der Teilhabe von Menschen mit Behinderung“ vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. In seinem Vortrag stellte er die Änderungen im Sozialrecht durch die Einführung des Bundesteilhabegesetz (BTHG) dar (den Vortrag finden sie hier).

Ihm folgte ein Vortrag von Andrea Auner, Sprecherin der BAG PB, zusammen mit Marcus Lippe, Vorstand der BAG PB, zum Thema, wie sich durch das BTHG die Beratung zum Persönlichen Budgets verändert hat (den Vortrag finden sie hier).

Nach der Mittagspause stellten Stefanie Franken, Vorstandsmitglied der BAG PB, zusammen mit Leo Pyta-Greca, Mitarbeiter bei „Leben im Pott“ aus Oberhausen, ihr Konzept in leichter Sprache, was eine gute Beratung zum Persönlichen Budget ausmacht, vor (den Vortrag finden sie hier).

Nach einer kurzen Kaffeepause folgten 4 Positiv-Beispiele aus unterschiedlichen Bereichen der Teilhabe:

Als erstes stellte Bilal Kir, Budgetberater und Budgetnehmer, seine Erfahrungen mit der Beantragung und Umsetzung seines trägerübergreifenden Persönlichen Budgets vor.

Es folgte ein Beispiel, wie selbstständiges Wohnen mit dem Persönlichen Budget gelingen kann. Dies wurde von Bernhardine Schiering, Vorstandsmitglied der BAG PB, vorgestellt, die Frau M. bei der Beantragung und Umsetzung des Persönlichen Budgets begleitet hat (den Vortrag finden sie hier).

Wie im Bereich Arbeit ein Persönliches Budget umgesetzt werden kann, berichtete Nothart Rohlfs. Er hat eine psychische Beeinträchtigung (und einen Grad der Behinderung von 50). Zunächst hatte er nur einen Antrag auf Teilhabeleistungen gestellt und erst später den Wunsch nach einem PB für eine Umschulung geäußert. Die Kosten für die Umschulung hat Herr Rohlfs selbst kalkuliert und veranschlagt (knappe 55.000€ für 2 Jahre). Er hat damit eine Ausbildung zum Coach, eine Ausbildung zum Mediator, eine Ausbildung zum Change Manager und eine Ausbildung als freier Lektor gemacht. Er hat außerdem über das PB eine Traumatherapie beantragt und erhalten. Er gab den Teilnehmenden den Rat, sich bei Konfliktfällen früh an eine übergeordnete Stelle (Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg) oder eine Schlichtungsstelle zu wenden.

Im abschließenden Beispiel stellte Jane Morgenthal, Mutter eines Kindes mit Behinderung, ihre positiven Erfahrungen mit dem Persönlichen Budget im Bereich der Jugend- und Eingliederungshilfe vor. Ihr Sohn, Anton, wurde 2008 blind geboren. Die Familie beantragte ein Persönliches Budget für die Frühförderung. Er kam mit einer Einzelfallhilfe in den Kindergarten. Zudem wurde festgestellt, dass Anton nicht spricht. Vermutet wurde eine Autismus-Spektrum-Störung oder eine geistige Behinderung. Über das Persönliche Budget wurde zusätzlich eine musikalische Förderung bezahlt. Außerdem besuchte Anton mit Hilfe einer Assistenz eine inklusive Schule. Die Krankenkasse übernahm zusätzlich Kosten für eine Reittherapie.

Damit endete der 1. Tag.

Der zweite Tag begann nach kurzer Begrüßung mit verschiedenen Workshops. Die Teilnehmenden konnten hier zwischen drei Workshops wählen, die parallel stattfanden.

Der erste Workshop beschäftigte sich mit dem Thema, wie mit Hilfe der leichten Sprache ein barrierefreier Zugang zum Persönlichen Budget möglich wird und wurde von Stefanie Franken, Vorstandsmitglied der BAG PB, zusammen mit Leo Pyta-Greca, Mitarbeiter bei „Leben im Pott“ aus Oberhausen gehalten (die Präsentation finden sie hier).

Der zweite Workshop befasste sich mit der Frage, wie man mit dem Persönlichen Budget Arbeitgeber/in werden kann und wurde geleitet von Birgit Stenger von der Arbeitsgemeinschaft Selbstbestimmt Leben e. V. (die Präsentation finden sie hier).

Aufgrund der hohen Teilnehmer/innenzahl fand der dritte Workshop als Input-Referat statt und beschäftigte sich mit dem Thema, wie mit Hilfe des Persönlichen Budgets Menschen mit Behinderung einen individuellen Weg in Ausbildung und Arbeit auf den ersten (allgemeinen) Arbeitsmarkt finden können. Dieser wurde von Heide-Susan Berger, Vorstandsmitglied der BAG PB, zusammen mit Saskia Perthel vom Netzwerk für betriebliche Integration und Sozialforschung e. V. gehalten (die Präsentation finden sie hier).

Nachdem es einen regen Austausch in den verschiedenen Workshops gegeben hatte, folgte die abschließende Podiumsdiskussion zum Thema, wie es gelingen kann, ein Trägerübergreifendes Persönliches Budget zu erhalten. Es diskutierten Ralf Thalacker (Landkreis Northeim dort zuständig für Eingliederungshilfe), Bilal Kir (Budgetberater / Budgetnehmer) und Marcus Lippe (Vorstand BAG PB, Rechtsanwalt, ambulante dienste e. V.). Bei der Diskussion geriet das eigentliche Thema schnell in den Hintergrund, da sich alle Beteiligten einig waren, dass sich bei Trägerübergreifen Persönlichen Budgets Probleme nur zuspitzen, die auch bei einfachen Budgets schon vorhanden sind. Es folgte dann ein intensiver Austausch über die Schwierigkeiten, die es bei der Bewilligung von Persönlichen Budgets aus den unterschiedlichen Perspektiven gibt. (die Präsentation zur Diskussion finden sie hier).

Insgesamt zeichnete sich das Netzwerktreffen durch interessante Vorträge, die Podiumsdiskussion sowie spannende Workshops aus. Die Rückmeldungen waren überaus positiv und das Interesse am Persönlichen Budget hoch. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Aufschwung sich nicht nur bei den Beratenden und möglichen Budgetnehmer/innen sondern auch in der Umsetzung bei den Kostenträgern durchsetzt. Das Persönliche Budget bietet eine individuelle Alternative zur Sachleistung, um selbstbestimmt und gleichberechtigt teilzuhaben.

Kontakt

Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget e. V.
Urbanstr. 100
10967 Berlin
Telefon: 030 / 690 487-38
Telefax: 030 / 690 487-31
E-mail: geschaeftsstelle@bag-pb.de